Country Life – Action pur beim Rodeo

Mitten im australischen nirgendwo liegt Canberra. Nicht umsonst wird die Hauptstadt auch „Bush Capital“ genannt: sobald man die Stadt verlässt, befindet man sich „auf dem Land“. Entlang der Straßen findet man nur noch ein paar verstreute Farmen und noch weniger kleine Ortschaften. Dafür grasen auf den kargen Wiesen umso mehr Schafe, Rinder, Pferde und natürlich Kängurus. Wer echtes australisches Country Life erleben möchte ist hier genau richtig, denn wo Vieh auf den Weiden ist, sind auch Cowboys nicht weit.

Eines der sportlichen Highlights für die Land-Bevölkerung ist daher ein Wettbewerb, der in Europa aus Tierschutzgründen nur selten zu finden ist: das Rodeo. Hier in Australien hingegen hat es Tradition, denn die frühen Einwanderer haben diese Fähigkeiten gebraucht um ihr Vieh zusammen zu treiben und einzufangen. Heute stellen die Kerle bei den Wettbewerben ihre Kraft und ihr Geschick zur Schau und die Mädels kämpfen darum, wer das schnellste und wendigste Pferd unterm Sattel hat. Natürlich geht es bei den Rodeo-Profis außerdem auch darum sich ein nettes Preisgeld zu sichern.

Da wir noch nie bei einem echten Rodeo waren, möchten wir uns selbst ein Bild von den Cowboy Wettbewerben machen. Und so haben wir uns an einem sonnigen Frühlingstag im November unter die Landbevölkerung (von Australiern auch liebevoll „Bogans“ genannt) gemischt und Rodeo im circa 30 Minuten entfernten Bungendore besucht.

Bungendore Rodeo

Bevor wir jedoch zum Rodeo gehen, besuchen wir in Bungendore erstmal den lokalen Lederladen, denn was gehört zu einem richtigen Cowboy dazu? Richtig: ein Hut! Und so ein australischer Lederhut stand sowieso auf unserer Einkaufsliste, denn der schützt nicht nur echte Cowboys vor der Sonne sondern eignet sich dank seiner breiten Krempe auch super als Sonnenschutz beim Wandern (wie ihr in älteren Blogbeiträgen vielleicht schon bemerkt habt).

Danach geht es zum etwas außerhalb gelegenen Rodeo-Platz. Auf der Straße hat sich eine Handvoll Tierschützer versammelt um zu demonstrieren. Der Großteil der Bevölkerung scheint aber tatsächlich auf dem Event zu sein, denn auf der Wiese, die zum Parkplatz umfunktioniert wurde, stehen bereits etliche (tiefergelegte) Utes und Geländewagen. Schon von weitem hören wir Countrymusik, immer wieder unterbrochen vom Kommentator, der die nächste Disziplin und die zugehörigen Teilnehmer ankündigt.

Die Disziplinen

Da das Bungendore Rodeo Teil der NSW Rodeo Championship ist, werden dort alle offiziellen Rodeo-Disziplinen durchgeführt. Einige davon, wie z.B. das Saddle Bronc fanden wir ziemlich heftig und fragwürdig, andere Disziplinen wie das Barrel Race hingegen waren sehr spannend und verlangen den Teilnehmern und ihren Pferden viel Geschicklichkeit und Können ab.

Ladies Barrel Race

Da wir das Barrel Race am spannensten und humansten fanden, macht dieser Wettbewerb den Anfang in unserer Auflistung. Wie der Name Barrel Race schon verrät, geht es darum einen Parcours aus drei Tonnen möglichst schnell im Galopp zu bewältigen. Jede Tonne muss dabei jeweils zweimal in die eine Richtung und einmal in die entgegengesetzte Richtung umrundet werden. Beim Barrel Race gewinnt der Reiter mit der schnellsten Zeit, wirft er eine der Tonne um, bekommt er fünf Strafsekunden zu seiner Zeit addiert. In Bungendore wurde diese Disziplin den Cowgirls überlassen.

Rope and Tie

Bei diesem Wettbewerb, der aus der klassischen Farmarbeit hervorgeht, geht es darum ein Kalb mit dem Lasso einzufangen. Reiter und Kalb warten in zwei separaten Boxen. Kurz nachdem die Box des Kälbchens geöffnet wird und dieses herausstürzt, stürmen auch Cowboy und Pferd hinterher. Das Pferd ist darauf trainiert, dem Kalb zu folgen, während der Reiter versucht es mit dem Lasso einzufangen. Wenn er das geschafft hat, springt der Reiter vom Pferd, rennt zum Kalb und zieht/wirft es auf den Boden um die Beine zu fesseln. Sicherlich ein Wettbewerb den sowohl die Kälber als auch die Cowboys nicht immer verletzungsfrei überstehen.

Saddle Bronc

Beim Saddle Bronc geht es noch etwas heftiger zur Sache. Acht Sekunden muss ein Cowboy sich auf einem buckelnden Pferd halten, damit sein Ritt gültig ist und er Punkte dafür bekommt. Das geht bestimmt weder für den Reiter noch für das Pferd schmerzfrei vonstatten. Die meisten der buckelnden „Rough Stock Horses“ sind übrigens Stuten oder Wallache und keine Hengste.

Bull Riding

Das Bull Riding ist für viele sicherlich die Hauptattraktion des Rodeos aber auch die gefährlichste Disziplin. Ähnlich wie beim Saddle Bronc muss der Cowboy auch hier einen achtsekündigen Ritt meistern. Diesmal allerdings nicht auf dem Rücken eines Pferdes sondern auf dem Rücken eines Jungbullen.

Begleitet wird der Ritt von mehreren „Rodeo-Clowns“, die direkt zur Stelle sind wenn der Cowboy zu Boden fällt. Sie lenken den Bullen ab und lösen schnellst möglich den Flankengurt, der das Tier zum buckeln veranlasst.

Für uns war es eine spannende Erfahrung bei einem echten Rodeo dabei zu sein. Den meisten Disziplinen merkt man heute noch an, dass sie aus dem echten Country-Leben stammen. Allerdings verstehen wir nun auch die Einwände und Vorwürfe der Tierschutzorganisationen besser. Alles in allem ist das Rodeo für Australier aber viel mehr als ein Cowboy Wettbewerb. Hier kommen Familien und Freunde zusammen und genießen den Tag an der frischen Luft. Das ein oder andere Bierchen darf dabei natürlich nicht fehlen, auch wenn es hier auf dieser Veranstaltung nur in einem kleinen, eingezäunten Bereich auf dem Showgelände getrunken werden darf.

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