Field Work – Beruflich abseits der Piste

Wer sich die Erde als Arbeitsplatz ausgesucht hat (siehe arbeitsplatz-erde.de), muss auch mal draußen arbeiten. Für mich (Thomas) steht diese Woche der erste australische Außeneinsatz auf dem Plan. Los geht’s! Schnell noch 20 GPS-Antennen in den Pick-up geladen und ab auf den Highway…

Highway

An den australischen Linksverkehr haben wir uns bei unseren Radtouren und bei einem Wochenend-Trip mit einem Automatik-Mietwagen ja schon gewöhnt, aber dieser Wagen setzt nochmal eins drauf: Manual!

4WD

Umdenken ist angesagt: Mit der linken Hand schalten, mit der rechten Hand blinken, da vertut man sich am Anfang schon mal. Den Satz „Sorry, that was not the gear I intended to use!“ hört mein Kollege am ersten Tag des Field Trips nicht nur einmal. Trotz anfänglicher Eingewöhnungsprobleme überwiegt der Spaßfaktor aber schnell. Und mal ehrlich: Wann hat man schon mal die Gelegenheit ein 4WD (Four Wheel Drive) in einem Gelände zu fahren, in dem man den Allradmodus tatsächlich braucht?

Landscape

DOWN UNDER TUT SICH WAS

Ziel unserer Expedition sind fest vermarkte Antennenpfeiler, auf die eine GPS-Antenne geschraubt wird, um dann 24 Stunden lang Daten der GPS-Satelliten zu empfangen. Aus den Messdaten kann später eine millimetergenaue Position für jeden Standpunkt bestimmt werden. Damit wir eventuelle Bodenbewegungen nachweisen können, werden wir solche Kampagnen in Zukunft jeden Monat durchführen.

GPS_Station_02

04_GPS_CR_aufbauKLEINER GEODÄTISCHER EXKURS

Wie ihr auf den Bildern seht, hängen an dem Pfeiler mit der GPS-Antenne zwei seltsame Metallaufbauten. Das sind sogenannte Corner Reflektoren, die aus drei Seiten eines Würfels bestehen. Wir benötigen sie, weil wir neben dem GPS auch mit Radarsatelliten messen möchten, ob sich der Boden bewegt oder nicht. Das funktioniert sonst nur in bebauten Gebieten, wo das Signal z.B. an Gebäudekanten reflektiert wird. Die Corner Reflektoren übernehmen diese Aufgabe im freien Feld. Die Würfel-Hälften sind so angebracht, dass sie das elektromagnetische Signal eines Radarsatelliten optimal reflektieren und es wieder zurück an den Satelliten schicken. So können wir an den 20 GPS-Stationen die Messungen der Radarsatelliten direkt mit den GPS-Messungen vergleichen.

WAS MACHEN WIR DA EIGENTLICH?

Die meisten der 20 Stationen liegen mitten im Nirgendwo. Man erkennt Sie an dem weißen Zäunchen, das die Messpunkte vor Kängurus oder anderen Tieren schützen soll. Unsere Aufgabe ist es nun, alle Stationen abzuklappern, die Antennen aufzuschrauben, an den GPS-Receiver anzuschließen und das Setup zu checken. Dazu gehört unter anderem ein Timer, der zur gewünschten Zeit eine externe Batterie dazu bringt den Receiver anzuschalten. Danach müssen wir 24 Stunden warten und hoffen, dass alles klappt.

GPS_Station_01Natürlich liegen wir in der Zwischenzeit nicht auf der faulen Haut. Dieses Mal statten wir dem Agricultural Institute einen Besuch ab, auf dessen Gelände einige der Stationen stehen. Dort halten wir einen Vortrag zu unseren Messungen, den wir bereits in Canberra vorbereitet haben. Am nächsten Tag klappern wir dann noch einmal alle 20 Stationen ab, um das Equipment abzubauen und die Messdaten vom Receiver zu ziehen.

 

ABSEITS DER ARBEITSWEGE

Viele touristische Highlights gibt es an der Strecke leider nicht. Immerhin liegt eine Station in einem botanischen Garten, durch den man offiziell (also wirklich jeder) mit dem Auto durchfahren darf (was den Sinn eines botanischen Gartens dann wieder ad absurdum führt). Der blaue Baum, der dort zwischen der Botanik auftaucht, scheint uns doch ein wenig unwirklich.  Klar, dass wir da erstmal checken müssen, was es damit auf sich hat. Und unsere Vermutung bestätigt sich: Ja! Es ist tatsächlich ein echter Baum, der einfach blau angemalt wurde.

FAZIT

Nach vier anstrengenden aber erfolgreichen Tagen endet schließlich meine erste Kampagne. Es ist ein gutes Gefühl, selbst für die Messdaten verantwortlich zu sein, die ich später im Büro auswerten werde. Der Arbeitsplatz Erde – für mich ein Volltreffer, auch wenn es hier, im australischen Winter, zwischendurch immer wieder geregnet hat. Besonders das Off-Road fahren hat großen Spaß gemacht. Das wurde durch den Regen zwar nicht gerade einfacher, aber dafür, sagen wir mal „interessanter“.

06b_Redback_shoes

Die brandneuen Arbeitsschuhe haben übrigens auch ein wenig gelitten. Da muss erstmal die Bürste her, damit das Logo mit der Redback-Spinne (Australiens bekannteste Giftspinne) wieder sichtbar wird. Dann bin ich wieder startklar für die nächste Kampagne, die ich gemeinsam mit meinem Kollegen in Angriff nehmen darf.

 

 

 

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2 thoughts on “Field Work – Beruflich abseits der Piste

  1. Cooler Bericht! Ist spannend zu hören was ihr da so treibt und seht! 🙂

    by the way…der arme Baum kann jetzt wahrscheinlich nicht mehr atmen und wird sterben, oder? 😦

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